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Quelloffene Software als Motor für Innovation und Vertrauen einer neuen Smartphone Marke
Deutsches Jungunternehmen entwickelt für eigenes Volla Phone ein alternatives Betriebssystem mit Fokus auf Komfort und Sicherheit
Von Dr. Jörg Wurzer
Wäre zum Zeitpunkt der Gründung von Volla Systeme ein Branchenkenner nach den Chancen für eine neue Smartphone Marke mit einem Startkapital von 5000 Euro gefragt worden, so hätte das Urteil wohl „unmöglich“ gelautet. Doch es kam anders. Nach drei Jahren Forschung und Entwicklung mit einer Fokusgruppe und Patentanmeldungen kam mit Hilfe von Crowd Funding 2020 das erste Volla Phone mit dem gleichnamigen Betriebssystem Volla OS auf dem Markt. Inzwischen brachte das Unternehmen aus Remscheid drei weitere Modelle auf den Markt und verkaufte über 11.000 Smartphones in über 55 Länder der Welt. Im April diesen Jahres startete die dritte Crowd Funding Kampagne für das Volla Tablet, das nicht weniger als ein 3-in-1-Erlebnis verspricht, ein Laptop, Tablet und Smartphone in einem, das neben dem großzügigen 12,3 Zoll Display auch einen Zugang zum Mobilfunknetz mit bis zu zwei SIM-Karten erlaubt.
Fokus des eigenen Betriebssystem ist ein intelligentes und bedienungsfreudliches Nutzungskonzept, das Anwendern den Kopf frei hält, gepaart mit einem kompromisslosen Schutz der Privatsphäre und Daten der Anwender. Die Startansicht nennt Volla OS “Sprungbrett”, weil Anwender von hier aus alle wichtigen Alltagsfunktionen ohne Aufruf einer App finden. Schon nach der Eingabe der ersten Zeichen in ein intelligentes Textfeld antizipiert das System die Intention des Anwenders und macht Vorschläge zur Autovervollständigung für passende Funktionen. Für die Privatsphäre sorgt das Betriebssystem durch eine vollständige Unabhängigkeit von jeglicher Cloud und einen speziellen Sicherheitsmodus, der Apps und Internetverkehr überwacht und blockieren kann.
Open Source als Ausgangsbasis innovativer Produkte
Ein Smartphone und dessen Betriebssystem sind komplexe Systeme, weitaus komplexer als ein Laptop oder PC. Hinzu kommt die Verwendung von künstlicher Intelligenz, die lokal auf dem Gerät für Spracherkennung und -synthese ausgeführt wird. Ohne ein quelloffenes Basissystem und quelloffene Komponenten und Apps wäre eine solche Innovation nicht möglich. Zu hoch wäre der Entwicklungsaufwand und die Investitionen, die es Startups, unmöglich machen würden, eine anspruchsvolle Produktidee umzusetzen.
Zu Unterscheiden sind bekanntlich verschiedene Arten von Open Source Lizenzen, die alle ihre Berechtigung haben. Für Unternehmen und insbesondere Startups die eigene Produkte entwickeln, sind insbesondere quelloffene Software mit liberalen (permissive) Lizenzen unerlässlich. Diese erlauben es ihnen, ihre Innovationen, durch Verwendung einer proprietäre Lizenz, vor der Kommerzialisierung durch Dritte zu schützen.
Volla Open Source Projekt für Transparenz und Vertrauen
Um maximale Transparenz herzustellen und damit Vertrauen zu schaffen, entschied sich Volla die gesamte Software für seine Smartphones, sofern lizenzrechtlich möglich, auf der populären Plattform Github im Quellkode offen zu legen. Die von Volla selbst entwicklete Software steht hierbei unter der Volla Lizenz. Diese Lizenz erlaubt die Nutzung, Anpassung und das Kopieren der Software für die persönliche Verwendung. Damit werden auch Community Entwickler motiviert, zu Weiterentwicklung beizutragen, sei es durch Quellkode oder Übersetzungen. Zusammen mit Anwendern, Kunden, Händlern und Partnern trifft sich die Community jährlich zu den Volla Community Days, in diesem Jahr am 15. und 16. Juni in Remscheid inklusive Live-Übertragung und Hackathon.
Dort wo Open Source Software verbessert oder weiterentwickelt werden muss, trägt das Volla Entwicklerteam zu dessen Quellkode bei, so zum Beispiel an der Hardware-Abstraktion Halium, die essenziell für die Ausführung von Ubuntu Touch auf den Volla Phones ist. Diese Linux Distribution für mobile Systeme ist für Volla, als alternatives Betriebssystem zum Volla OS, von strategischer Bedeutung. Deshalb arbeitet das Unternehmen mit der deutschen UBports Stiftung aus Berlin zusammen. Während die Stiftung die allgemeine Weiterentwicklung des Betriebssystems koordiniert, konzentriert sich Volla vor allem auf die Anpassung auf konkrete Hardware. Für jedes verkaufte Volla Smartphone oder Tablet geht ein Teil an die Stiftung, damit diese ihre Arbeit fortsetzen kann.
Bereit für die Zukunft durch Förderung von Open Source Projekten
Jüngste Beteiligung von Volla Systeme ist das Oniro Projekt, dass von der renommierten Eclipse Stiftung organisiert und von einem Konsortium von Unternehmen gefördert wird, darunter der Smartphone Hersteller Huawei. Ziel ist ein völlig unabhängiges, freies, mobiles Betriebssystem für Europa mit einem Mainline Linux Kernel. Die Herausforderung hierbei besteht in der Verfügbarkeit der Gerätetreiber. Der Vorteil liegt auf der Hand. Eine Hardware Abstraktion mit einem Kern Android wäre dann nicht mehr notwendig.
Weitere von Volla geförderte Open Source Projekte sind Droidian, Cutie Shell und Community ports von Sailfish OS, zu denen das Unternehmen mit Entwicklergeräten beiträgt. Hierbei ist die einzigartige Multi Boot Funktion von Volla OS hervorzuheben, mit denen sich solche alternativen Betriebssysteme ohne technische Kenntnisse installieren und verwenden lassen. Damit haben Community Projekte die Change einen viel größeren Anwenderkreis, über Technikenthusiasten hinaus, zu gewinnen.



